Wie sich die Rolle von ESG-Ratings verändert | Episode 107

Shownotes

Ab Mitte 2026 gelten neue Regeln im Markt für ESG-Ratings. Erstmals übernimmt mit der ESMA eine Behörde die Aufsicht und Kontrolle über Nachhaltigkeitsratingagenturen im europäischen Raum. Die Regulierung soll für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit der Ratings sorgen, etwa durch Offenlegung der Methoden, Datenquellen und Bewertungslogik. Vergleichbarkeit ist gewünscht – Vereinheitlichung hingegen nicht, betont Till Jung, Managing Director und Head of Sustainability Business bei dem Datendienstleister ISS Stoxx, im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. „Es gab ja auch Bestrebungen, durch diese Regulierung die Methodik zu vereinheitlichen. Weil es immer Kritik gibt, dass Ratings im Nachhaltigkeitsbereich stark auseinandergehen, je nach Anbieter – wohingegen das doch so schön ist im Kreditrating-Bereich, da sind sich alle einig“, sagt Jung. „Aus meiner Sicht ist das eine etwas verkürzte Sichtweise, weil natürlich im Bereich Nachhaltigkeit auch viel mehr verschiedene Themen zu bewerten sind.“

Investoren müssten sich die unterschiedlichen Methoden anschauen und dann entscheiden, welche Gewichtung zu ihnen passt. Manchen sei beispielsweise die Bewertung kurzfristiger finanzieller Risiken wichtig, anderen die Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf Gesellschaft und Umwelt. „Es ist ganz wichtig, dass man einfach anerkennt, dass es unterschiedliche Anforderungen und Nachfragen im Markt gibt“, sagt Jung.

In seiner Wahrnehmung hat sich die Rolle der Nachhaltigkeitsratings verändert. „Früher hatten viele Fondsmanager und Vermögensverwalter gar keine Expertenabteilungen zu dem Thema nachhaltiges Investment“, erinnert er sich. Ratings sollten in diesen Fällen die benötigten Daten liefern und Orientierung bieten. Mittlerweile ist bei vielen Fondsmanagern allerdings eigenes Expertenwissen vorhanden. Manche Vermögensverwalter haben eigene Abteilungen mit Dutzenden Analysten aufgebaut. Diese Kunden seien nicht an Basisinformationen interessiert, sondern benötigten detaillierte Daten und Branchen-Einblicke, um diese mit dem eigenen Research in Bezug zu setzen, erklärt Jung.

Die Datenlage wird nach Jungs Eindruck „von Jahr zu Jahr besser“. Nachholbedarf sieht er beispielsweise noch bei der Erhebung von ESG-Daten entlang der Lieferkette. Doch er ist optimistisch, dass die Anzahl der berichteten Datenpunkte trotz Omnibus-Initiative zunehmen wird. „Es ist nicht so, dass das alles perfekt ist“, sagt Jung. „Aber es ist auch nicht so, dass man den Kopf in den Sand stecken muss.“

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