Zwischen „Wissenschafts-Elfenbeinturm“ und Bayer-Beirat
Shownotes
Wissenschaft und Praxis müssen sich im Alltag begegnen, davon ist Christian Klein, seit 2013 Professor für Nachhaltige Finanzwirtschaft an der Universität Kassel, überzeugt. „Es ist genau das, was ich so liebe: aus unserem Wissenschafts-Elfenbeinturm hervorzutreten und ins wirkliche Leben reinzuschnuppern“, sagt er im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung.
Seit sechs Jahren ist der Wissenschaftler Teil des Sustainability Council bei Bayer. Der Beginn war jedoch holprig: Ein Bayer-Mitarbeiter habe ihn nach einem Vortrag auf einer Tagung angesprochen und ihm von den Council-Plänen berichtet. „Ich habe den ausgelacht“, erinnert sich Klein. „Ich habe gesagt, das ist eine nette Idee, aber es wird euch kein Mensch glauben. Da denken alle sofort an Monsanto und an Greenwashing.“ Weitere Gespräche seien ähnlich verlaufen, auch ein Call mit dem damaligen CEO. „Ich habe genau das Gleiche gesagt – dass das nicht funktionieren wird.“ Kurz darauf kam der Ruf in den Beirat. „Ich war wirklich überrascht. Ich hatte nicht verstanden, dass das quasi Bewerbungsgespräche waren“, sagt Klein. Er ist sich sicher: „Die haben mich genommen, weil sie wussten, das ist ein Typ, der unbequeme Fragen stellen wird.“
Sein Lehrstuhl für Nachhaltige Finanzwirtschaft war der erste mit diesem Schwerpunkt in Deutschland. Für seine eigene Forschungsarbeit hat er die Devise „Jetzt erst recht“ ausgerufen. „Deswegen haben wir da feste Systeme, dass wir eben nicht abhängig sind von irgendwelchen Moden, sondern wirklich objektiv das beforschen dürfen, was wir für wichtig halten.“ Er ist überzeugt, dass die Nachhaltigkeitsrisiken im Moment wieder steigen. „All das, was wir jetzt ausbremsen, werden wir eines Tages nachholen müssen.“
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Transkript anzeigen
00:00:00:
00:00:16: Herzlich willkommen zu einer neuen Episode von Nachhaltiges Investieren, dem Sustainable Finance Podcast der Börsenzeitung.
00:00:22: Ich heiße Sabine Reifenberger, bin Redakteurin der Bösenzeitungen und mein heutiger Gast, der forscht zum nachhaltigen Investitionen aber er beobachtet auch eng die Umsetzung bei Unternehmen in der Praxis.
00:00:36: Darüber wollen wir heute mal sprechen.
00:00:38: Ich freue mich, dass Christian Klein bei mir ist Professor für nachhaltige Finanzwirtschaft an der Universität Kassel.
00:00:43: Schön, dass Sie da sind!
00:00:44: Hallo!
00:00:46: Herr Klein sie haben um mal sozusagen ihre Wieter ein bisschen zu rekapitulieren, ihre Habilitation abgeschlossen am Lehrstuhl für Rechnungswesen und Finanzierung in Hohenheim das heißt.
00:00:58: Sie sind ein klassischer Betriebswirt, da hätte man auch sagen können ich forsche zu Controlling oder zur Rechnung Legungsstandards.
00:01:05: Sie sind jetzt seit Jahrzehnten Professor für nachhaltige Finanzwirtschaft.
00:01:10: Warum genau dieses Themengebiet?
00:01:14: Es ist ja so, wenn man als Professor berufen wird, dann hat man es geschafft und ist verbeamtet.
00:01:19: Und da kann man das machen was einem wirklich in Herzen liegt.
00:01:22: und mich hat das Thema Nachhaltigkeit schon immer sehr fasziniert unter anderem weil ich viele Kinder habe und ich mir um die Zukunft unserer Kindheit Gedanken mache.
00:01:32: Das Problem ist sich Kanonfinance Und so bin ich halt an diese Schnittstelle geraten zwischen Nachhaltigkeit und Finance, zwischen Weltretten und Kapitalmärkte.
00:01:45: So bin ich vor fünfzehn Jahren auf das Thema
00:01:47: gekommen.".
00:01:48: Das war damals noch nicht so menschlich wie heute?
00:01:50: Ja
00:01:50: es war eine absolute Nische also im Finanzbereich weil ist ne ganz kleine Nische Und wir schauen uns ja in Kassel auch noch den Retail-Bereich an, also nachhaltige Geldanlagen und warum wir alle das gut finden.
00:02:02: Aber nicht machen... Wir finden alle Nachhaltigkeit gut aber bei der Geldanlage achten wir nicht darauf.
00:02:07: Das ist dann nochmal eine Nische im Bereich Sustainable Finance damals gewesen.
00:02:12: Also wir waren da ziemlich allein in Europa!
00:02:14: Jetzt haben Sie in Ihren Hörsälen junge Menschen, Studierende, die ja das vielleicht auch später mal beruflich anwenden.
00:02:20: In welchem Kontext tun sie das?
00:02:22: Was sind das für Studierendete bei Ihnen dann zu diesen Themen hören?
00:02:27: Also wir haben im Kassel einen Bachelor Wirtschaftswissenschaften und ein Master Business Studies.
00:02:33: Das heißt es sind das was man früher zur BWL genannt hätte als Studium.
00:02:38: Also das ist ganz, ganz klassisch und da seht ihr jetzt auch kein spezieller Finanzmaster oder Finanzbachelor.
00:02:44: Das ist eben dieses breite Studium mit dem sie nachher alles machen können.
00:02:49: Und das Besondere ein bisschen bei uns dass Kassel eben sowieso einen Schwerpunkt hat auf Nachhaltigkeit und wir waren der erste Lehrstuhl für Sustainable Finance in ganz Deutschland.
00:02:59: Das heißt es ist kein Student irgendwie an mir vorbeigekommen ohne aus Versehen etwas über Nachhaltigkeiten zu lernen.
00:03:06: Und jetzt sieht man ja, wenn man sich im Markt umhört und auch die Nachrichten anmacht.
00:03:10: Es gibt einen gewissen Gegenwind, manche sagen ISG-Backlash.
00:03:14: Und Nachhaltigkeit hat es etwas schwerer, wenn Sie mal überlegen dieses Thema Nachhaltigkeit als Spezialistenwissen.
00:03:20: Das war eine Zeit lang sehr gefragt.
00:03:22: Auch als es darum ging muss man Nachhaltighatsberichte erstellen.
00:03:24: werden diese geprüft?
00:03:25: wer ist da alles pflichtig?
00:03:26: Dann wurde das wieder etwas zurückgedreht.
00:03:28: was würden sie sagen?
00:03:29: wie entwickelt sich die nachfrage nach spezialisten mit nachhaltigkeitswissen im moment?
00:03:34: dass geht massiv runter.
00:03:36: Also das ist ein massiver Backlash.
00:03:40: Was wir gerade sehen, dieses Pendel von null auf hundert geschwungen ist... Oh jetzt ist das Tempel Feins das allergrößte und alle werden nachhaltig und verdienen noch Geld damit.
00:03:50: Ist genau in die andere Richtung geschwungene.
00:03:52: Das war ganz furchtbar und wir machen das jetzt schnell wieder weg!
00:03:55: Die Wahrheit liegt in der Mitte davon bin ich überzeugt.
00:03:58: was wir aber gerade momentan sehen ist schon dass Nachhaltigkeitsabteilungen verkleinert werden, dass auch ich habe mitbekommen viele Start-ups machen wieder dicht die eben auf diesen Zug aufgesprungen sind und Nachhaltigkeitsbratung machen gerade zum Thema Regulatorik.
00:04:15: Die tun sich alle sehr schwer.
00:04:17: Was heißt das für Sie?
00:04:18: Auch bei Forschungslehre?
00:04:20: es geht ja immer um das Thema Finanzierung.
00:04:22: Drittmittel einwerben ist ja immer ein großer Bereich.
00:04:24: Projekte müssen irgendwie finanziert bewilligt werden.
00:04:28: Spüren sie das da auch wenn's um die Finanzierung um die Umsetzung von ihrer wissenschaftlichen Arbeit geht.
00:04:34: Ja, also was wir merken ist es gab einen großen markt für angebote sustainable finance kurse und so weiter für unternehmen.
00:04:43: Das ist fast komplett zusammengebrochen.
00:04:45: jetzt mein eigentlicher kerntjob die forschung.
00:04:48: da sage ich jetzt erst recht Also genau deswegen bin ich ja verbeamtet.
00:04:53: Genau deswegen haben wir da feste Systeme, dass wir eben nicht abhängig sind von irgendwelchen Moden sondern wirklich objektiv das beforschen dürfen was wir für wichtig halten.
00:05:04: und aus meiner Sicht geht es ja darum Nachhaltigkeitsrisiken in den Griff zu kriegen.
00:05:10: also das Thema Nachhaltigkeit des Thema Sustainable Finance ist aus meiner sich kein Gänseblümchen-Thema oder Bienen retten.
00:05:18: Es geht um Risikomanagement.
00:05:19: Und dadurch, dass wir jetzt diesen Black Lash haben und alles zurücknehmen, steigen die Risiken.
00:05:24: Das ist vielen in der Industrie nach meiner Auffassung nicht bewusst.
00:05:30: Die denken, die transitorischen Risiken gehen jetzt zurück aber in Wirklichkeit steigen sie bei.
00:05:33: all das was wir jetzt ausbremsen werden wir eines Tages nachholen müssen.
00:05:38: Jetzt forschen Sie ja auch, Sie sagten schon dazu wie man es schafft Geld, Flüsse in Richtung nachhaltiger Aktivitäten lenken zu können.
00:05:45: Sie sagten ja gerade schon alle finden Nachhaltigkeit gut aber man orientiert sich dann in Finanzfragen doch bislang sehr wenig daran.
00:05:52: das Thema gilt ja auch oft als komplexes gilt als schwer vermittelbar.
00:05:57: woran würden sie denn sagen liegt es bräuchte es andere anreize.
00:06:01: was ist so die Hürde?
00:06:03: Ja ich sage es mal sehr, sehr einfach also meine persönliche Meinung und da kann man mich auch nachher gerne beschimpfen.
00:06:08: Ich glaube das Problem liegt darin dass wir uns klar werden müssen die Rettung der Welt wird etwas kosten.
00:06:14: Wenn die Rrettung der welt kostenlos möglich wäre oder wenn wir sogar einen Gewinn erzielen könnten dann wäre diese Welt längst gerettet.
00:06:21: Dann würde Donald Trump für uns die Welt retten.
00:06:24: Und das ist glaube ich Etwas, was ein bisschen schief gegangen ist vor acht Jahren als das Thema so groß wurde.
00:06:29: Da war aus meiner Sicht das Narrativ.
00:06:32: jetzt retten wir die Welt und werden dadurch irre reich Und ich habe mich damals eben sehr unbeliebt gemacht indem Ich mich hingestellt hab und so schlaue Sprüche wie gerade eben losgelassen habe.
00:06:42: gab es wirklich Veranstaltungen, wo die Menschen sehr sauer waren und gemeint haben.
00:06:45: Nein!
00:06:45: Das ist möglich, Nachhaltigkeit zu machen und dabei noch einen überren Dieti zu erzielen.
00:06:51: Und nachhaltigkeit war schon immer Teil unserer DNA.
00:06:54: Und dann war meine Frage wenn das Teil eurer DNA ist?
00:06:56: Warum habt ihr's bisher nicht gemacht?
00:06:58: Wenn man damit Gewinner zielen kann warum macht dies da nicht alle?
00:07:01: Warum ist es nicht umgesetzt worden?
00:07:03: Ich glaube wir lernen gerade und daher kommt der Backdash dass teuer ist, dass es unangenehm ist.
00:07:10: Regulaturiges Anstrengend bindet Mittel und jetzt zucken viele zurück und sagen so haben wir uns das aber nicht
00:07:17: vorgestellt.".
00:07:18: Es ist ja auch so, dass oft Missverstanden wurde in der Vergangenheit.
00:07:22: Das wird ja jetzt gerade die Offenlegungsverordnung überarbeitet weil man auch gesagt hat diese Kategorien Artikel acht, Artikel neun, die ja auch Orientierung geben sollten.
00:07:30: Die wurden im Markt ja oft ein bisschen uminterpretiert und dann wurden sie mitunter als Label oder als Zertifikat quasi fast schon umgedeutet.
00:07:38: Wie ließen sich denn solche Missverständnisse verhindern?
00:07:40: Ist das auch was, was man einfach mehr verproben muss.
00:07:42: Ist es etwas, was irgendwie regulatorisch anders aufbereitet werden muss?
00:07:47: Was sagt da die Forschung?
00:07:49: Also ich glaube, da waren eben viele Missverständnissen und wir lernen auch.
00:07:53: Ich habe ja viel von denen Sachen begleiten dürfen.
00:07:56: Und tatsächlich, ich glaube dass das große Ding gar nicht ist nachhaltige Unternehmen mit noch mehr Geld zuzuschütten sondern die wirkliche Herausforderung ist Transition.
00:08:06: also in Anführungszeichen nicht so nachhaltige Geschäftsmodelle, um zu biegen, dass sie nachhaltiger werden.
00:08:13: Unternehmen dabei zu unterstützen und zum Beispiel CO-neutral werden – das ist der große Hebel, also Transition!
00:08:20: Das ist etwas was wir gelernt
00:08:21: haben.".
00:08:22: Ja, und das finde ich eigentlich auch in Ordnung.
00:08:24: Also man muss auch... Es wird ja so viel über die EU-Kommissionen und die Regulatorik geschimpft.
00:08:29: Man muss aber auch sagen als es Ganze losging da war ich ja auch bisschen dabei und durfte so ein bisschen zugucken und zuhören was sie gesagt haben.
00:08:35: Und die EU Kommission hat wirklich immer gesagt wir machen jetzt einfach mal und gucken wie's funktioniert und dann bessern wir nach!
00:08:42: Das ist natürlich jetzt ein Verhalten dass total undeutsch ist.
00:08:44: Das ist für uns Deutsche ein totaler Horror sowas zu machen.
00:08:48: EU-Kommission damals sehr, sehr pragmatisch eigentlich als er damit angefangen hat.
00:08:52: Das heißt jetzt diese neuen... Es gibt ja jetzt Kategorien Basic Transitionen die es etwas klarer machen sollen.
00:08:57: das heißt ihre Hoffnung wäre schon auch dass die sozusagen vom Endkunden besser verstanden werden als vorher.
00:09:06: Als Wissenschaftler muss ich sagen Ich weiß das nicht Und deswegen gucken wir uns das gerade an.
00:09:10: Wir machen grad auch eine sehr, sehr große Umfrage deutschlandweit wo wir genau das abfragen also wo wir wissen wollen ob die Tante Erna und der Onkel Albert wenn die Transitionen hören und sagen sie dass es in die Nachhaltigendigkeit und Sie sollen da rein investieren ob die das auch verstehen.
00:09:25: ich kann leider nur nicht sagen was daraus kommt weil wirklich grade die umfrage im moment läuft.
00:09:31: Was ich ein bisschen schade finde und was mich immer wieder wundert ist natürlich etwas eine umfrage die hätten wir vor dem Gesetz machen sollen.
00:09:39: Das Gleiche gilt jetzt für das Altersvorsorgedepot, wir hätten glaube ich in der Vergangenheit uns viel Kummer ersparen können wenn man der Wissenschaft eine Chance gegeben hätte solche Prozesse auch im Vorfeld zu begleiten damit eben es nicht zu Missverständnissen kommt und vielleicht Konstrukte geschaffen werden die in der Praxis überhaupt nicht funktionieren.
00:09:59: Haben Sie die Hoffnung, dass dadurch das jetzt ja generell auch... Man versucht das Kapitarmarktinteresse etwas zu fördern in der Breite durch so Sachen wie Altersvorsorge, die pro durch mehr Aktien sparen.
00:10:09: Dass auch dieses Thema nachhaltige Investments ein bisschen Auftrieb bekommt oder ist das zu sehr verschrien als regulatorisch komplex und irgendwie schwierig?
00:10:20: Aus der Kundensicht, die Kunden finden es gut!
00:10:22: Und wir wissen aus unserer Forschung Wir haben ein Riesenprobleme in Deutschland mit dem, was wir Sustainable Financial Literacy nennen.
00:10:31: Also Bildung über grüne Kapitalmarktprodukte... Da ist das Wissen immer noch erschreckend gering!
00:10:37: Das liegt aber auch daran, dass wir einfach in Deutschland auch ein Problem haben mit der Financial Literacies.
00:10:42: Dass Deutschland die finanzielle Bildung sehr niedrig ist und da auch hier gucken wir uns das an und was wir so sehen ist, dass das Generationen-Problem Die junge Generation ist da viel, viel besser.
00:10:55: Die sind besser gebildet die interessieren sich auch mehr für Zusammenhänge, für Kapitalmärkte und sind näher an dem Thema Nachhaltigkeit dran.
00:11:03: also ich bin da ganz optimistisch dass die junge Generation also ihre Generation da einen großen Beitrag leisten wird das das Thema noch mehr nach oben kommt.
00:11:12: Gut, jetzt bin ich auch schon ein paar Jahre aus der Uni raus.
00:11:14: Aber Sie haben ja den aktuellen Studentenjahrgang sozusagen immer im Blick.
00:11:18: Ist das ein Thema was die nach wie vor interessiert oder ist es da auch so ein bisschen wie im Gesamtmarkt?
00:11:23: Dass man sagt naja, da gab's jetzt auch so'n bisschen hat n bisschen nachgelassenes Interesse.
00:11:27: Das ist jetzt meine persönliche Beobachtung.
00:11:29: Es sind keine wissenschaftliche Erkenntnisse aber wenn ich mit den Studierenden diskutiere, ist es immer noch ein Riesenthema und die Frustration ist sehr hoch.
00:11:37: also gerade beim Thema Klimaschutz ist das jetzt eine Generation die sich nicht gesehen fühlt die das Gefühl hat auf ihrem Rücken werden da jetzt Sachen nicht gemacht und die Generation, die gerade am Ruder ist geht etwas rücksichtslos vor und schaut auf ihre eigene Probleme.
00:11:53: Und das Gleiche gilt für die Altersvorsorge also Rente- und Klimaschutz.
00:11:57: Das sind meine Wahrnehmungen, die zwei großen Themen, die diese Generation an der Uni sehr interessiert und gerade auch frustriert.
00:12:07: Jetzt haben Sie ja zum einen diesen Blick als Forscher-Wissenschaftler.
00:12:10: Sie sind aber auch in der Praxis unterwegs, in verschiedenen Gremien unter anderem im Nachhaltigkeitsbeirat im Bundesverband strukturierte Wertpapiere und sie sind – was ich ganz spannend finde – auch Mitglied im Sustainability Council von Bayer wo es also so ein bisschen um praktische Umsetzung geht.
00:12:28: jetzt muss man ja auch immer so ein bißchen aufpassen dass so nachhaltig keits beiraten nicht sowieso eine Art Feigenblatt irgendwie vorne angepflanzt wird, nach dem Motto guckt mal wie grün wir sind.
00:12:37: Sondern dass der Ort den nötigen Zugriff hat.
00:12:39: Wie stellen Sie das sicher?
00:12:40: Wir haben sich da auch im Vorfeld informiert.
00:12:43: Das ist ein ganz wichtiger Punkt, den Sie da ansprechen und ich habe vor fünfzehn Jahren auch mal gelernt – das wertvollste Gut, dass ich habe, ist meine Integrität und dass ich nie was machen werde Und alles versuchen werde, damit das nicht irgendwie ein Gefahr gerät.
00:12:57: Und speziell bei Bayer war es total spannend weil es ein lustiger Prozess war wie ich da in diesen Beirat gekommen bin.
00:13:03: Ich wurde angesprochen nach einem Vortrag den ich gehalten habe auf einer Tagung von jemanden vom bayern und der hat mir das erzielt dass bayer vor hat so einen Kounsel aufzubauen und ich hab den ausgelacht.
00:13:13: Ich habe gesagt ist eine nette Idee aber es wird euch kein Mensch glauben.
00:13:16: Da denken alle sofort an Monsanto und an Greenwashing und könnt ihr machen wird nicht funktionieren.
00:13:22: und paar Wochen später hat dann von Bayer noch mal jemand bei mir angerufen, das war schon ein höheres Tier in der ISG-Hierarchie und hat auch mit mir diskutiert.
00:13:30: Ich habe dem genau das Gleiche gesagt, ich habe gesagt es ist eine nette Idee aber es wird nicht funktionieren weil die Menschen werden das sehen und sagen dass es einen Feigenblatt mit dem ihr versucht eure Probleme abzudecken.
00:13:41: Greenwashing macht das nicht.
00:13:43: Und als nächstes hat dann schon der Herr Baumann, der damalige CEO angerufen und da war ich dann doch überrascht.
00:13:49: Ebenfalls mit mir diskutiert und ich habe genau das Gleiche gesagt dass es nicht funktionieren wird.
00:13:54: und plötzlich lag dieser Vertrag in meinem Briefkasten dort der Ruf quasi in dieses Council und ich schwöre... Ich war wirklich überraszt!
00:14:02: Ich hatte nicht verstanden, dass das Bewerbungsgesprächen waren und ich kann eben sagen speziell bei Bayer.
00:14:08: die haben mich genommen, weil sie wussten, dass es ein Typ der unbequeme Fragen stellen wird.
00:14:13: Und das ist auch was die wollen.
00:14:15: Die wollen vom Council heraus gefordert werden und ich mache das jetzt seit sechs Jahren.
00:14:20: Ich bin von Anfang an dabei mit des dienstälteste Mitglied in dem Beirat.
00:14:26: Das macht großen Spaß!
00:14:28: Da sieht man eben auch... Meine Wahrnehmung sagen Bayern nimmt das wirklich ernst.
00:14:33: Es sind viele tolle Projekte, die vorhaben.
00:14:35: Ich sehe auch, wie schwer das für ein Unternehmen in der Praxis ist.
00:14:40: So was dann auch umzusetzen?
00:14:41: Das ist kein Spaziergang, das ist ein Marathon.
00:14:44: Das wollte ich gerade sagen.
00:14:45: Sie haben mir jetzt bestimmte Themen die ihr sicherlich von beiden Seiten kennen auch in der Theorie auch bei ich sage mal sowas wie Nachhaltigkeitsberichterstattung da es viel an Literatur vorhanden.
00:14:53: dann haben sie aber irgendwo einen Menschen in einer Finanzabteilung der sagt ich muss dass jetzt irgendwie operativ machen.
00:14:59: Wo greift das schon gut ineinander?
00:15:01: und wo würden Sie sagen, oh da gibt es aber auch noch durchaus Diskrepanzen?
00:15:06: Da gibt's viele Diskrepansen.
00:15:07: Also so über das Thema Taxonomie können wir uns hervorragend freundschaftlich streiten!
00:15:13: Wie sehen sie sich
00:15:14: denn?!
00:15:14: Ich
00:15:14: bin großer Fan der Idee der Taxonomien.
00:15:17: Es geht darum, also wir brauchen die Taxonomie.
00:15:19: Weil die Idee von Sustainable Finance ist ja Kapitalströme umzuleiten vor nichtnachhaltigen zu nachhaltigen Aktivitäten.
00:15:26: und dann stellt sich die tolle Frage was zum Teufel ist eine nachhaltige Aktivität?
00:15:30: Und das sagt die Taxonomie.
00:15:32: und das Tolle an der Taxonomien ist ja dass sie nicht irgendwie auf einer Skala von null bis zehn sagt wie grün etwas ist sondern es ist ja diese Idee eines Prozesses.
00:15:41: Also Wir haben ein Nachhaltigkeitsziel Und was trägt dazu, bei dieses Nachhaltigkeitsziel zu erreichen?
00:15:47: Und plötzlich kann man eben aus in der Stahlindustrie nachhaltige Aktivitäten finden.
00:15:52: Das war ja für mich das Phänomenale an der Taxonomie.
00:15:55: Die Idee ist sehr gut!
00:15:56: Bei der Umgestaltung sind die lieben Kollegen total übers Ziel hinaus geschossen weil sie viel zu kleinteilig geworden ist.
00:16:04: Aber auch ich habe die liebe Kollegen ganz bewusst gesagt, weil man muss ja wissen wie die Taxonomie entstanden ist.
00:16:09: Das ist eben keine was irgendwelche sich Bürokraten in Brüssel ausgedacht haben.
00:16:14: das war ja ein Expertengremium aus Wissenschaftlern Praktikern und Verbänden die das zusammen gemacht haben und zwar ehrenamtlich.
00:16:23: Es waren Schweinarbeit und es waren positive Verrückte die das gemacht haben.
00:16:27: aber sie haben sehr gut gemeint.
00:16:32: Ich durfte dann eben beobachten als Fan der Taxonomie, dass es in der Praxis offensichtlich sehr sehr schwer ist dieses sehr kleinteilige Konstrukt umzusetzen und sehr viel Arbeit bindet.
00:16:44: Was sind so klassische Konfliktfelder die sie vielleicht auch aus der Industrie hören wo die sagen das macht uns das Leben jetzt nicht zwingend leichter?
00:16:51: Ja ich glaube das klassische Beispiel ist ja auch Taxonomien im Gebäudebereich wenn es darum geht was nachhaltiger Bau.
00:17:00: und irgendwann geht es darum wie viel bei der Toilette, wieviel Wasser da fließen darf und wie viel aus der Dusche rauskommt.
00:17:06: Wo ich aus der Praxis höre dass man so einen enormen Aufwand hat und am Schluss ist dieser hoch effiziente Energiebau bla bla bla nicht nachhaltig weil er beim Spülen im kleinen Geschäft mehr als ein halbes Liter, halben Liter Wasser rauslässt und da muss sich auch sagen oh das ist... Ich verstehe den Gedanken dahinter aber Die Regelungstiefe
00:17:29: ist sehr detailliert.
00:17:30: dann doch, ne?
00:17:30: Genau.
00:17:31: Das ist gut und zu viel.
00:17:32: Wenn man jetzt sich mal hineinversetzt in so ein Meeting beispielsweise im Sustainability Council von Bayer wie muss ich mir das vorstellen?
00:17:38: also Wie wie oft treffen Sie sich wer sitzt da drin und was?
00:17:40: sozusagen dürfen sie was sehen sie und wie bringen sie sich denn Ein?
00:17:44: Also wie groß es sozusagen auch ihr Durchgriff auf die Entscheidungen oder auf dass was dann vielleicht zum Vorstand wieder zurück gespiegelt wird an Ideen.
00:17:52: Es gibt zwei Treffen pro Jahr Zwei große Treffen, wo der gesamte Council da ist.
00:17:57: Das muss man sich auch so vorstellen.
00:18:00: Das sind alles Experten aus der ganzen Welt.
00:18:03: Da ist der indische Ernährungswissenschaftler dabei.
00:18:07: Da is die afrikanische Frauenrechtlerin dabei und das sind wirklich aus den ganzen Bereichen Koriffin und ich.
00:18:15: Ich bin sehr stolz dass ich mit diesen tollen Menschen zusammenarbeiten darf und wir treffen uns einmal im Jahr physisch Weil sie gesagt haben, wie spiegelt man es dem Vorstand?
00:18:23: Der Vorstand ist tatsächlich dabei.
00:18:26: Also da sitzt dann der Bill Anderson mit am Tisch und muss sich das anhören was wir zu sagen haben.
00:18:32: Bayer erzählt uns etwas, wir kommentieren das.
00:18:34: Und inzwischen lernen wir auch dazu sowohl Bayer als auch der Council.
00:18:39: Wir haben ja ein Interesse daran so viel Beitrag zu leisten wie's irgendwie nur geht und die eigentliche Arbeit momentan für den kleinen Gruppen statt also wo jeder zu seinem seine Expertise mit Leuten von Bayern zusammenarbeitet zu speziellen Fragestellungen.
00:18:56: Und das ist tatsächlich ziemlich effizient und ziemlich cool, wenn ich sehe was man da alles so machen kann.
00:19:03: und zu ihrer Frage vorhin also was wir da alle so sehen, so viel dass wir natürlich unterschreiben müssen, dass Sie es jetzt hier nicht alles erzählen im Podcast.
00:19:09: Danke über!
00:19:10: Was würden sie denn sagen profitiert mehr vom anderen?
00:19:13: Ist die Forschung von den Impulsen aus der Praxis oder ist es die Beratung von Praktikern dadurch, dass man eine wissenschaftliche Basis hat?
00:19:20: Ich hoffe es ist beides.
00:19:21: Also ich kann ja nur für mich reden, ich lerne wahnsinnig viel und das ist eben genau das was ich so liebe aus unserem Wissenschafts-Elfenweinturm hervorzutreten und ins wirkliche Leben reinzuschnuppern.
00:19:32: Und natürlich kann ich nicht beurteilen dass die auch ein bisschen etwas von meinem theoretischen Wissen profitieren.
00:19:40: Das finde ich aus meiner Sicht auch Aufgabe der Wissenschaft eben der Transfer.
00:19:45: Es war ein Turm vor uns hinforschen und Publikationen raushauen, die nachher keiner liest.
00:19:53: Sondern dass wir wirklich auch im Austausch mit der Praxis gucken was braucht ihr und können wir einen Beitrag
00:20:00: leisten.".
00:20:00: Wenn es ein Thema gibt wo Sie sagen das finden sie in Ihrem Bereich?
00:20:04: Im Bereich nachhaltige Finanzwirtschaft vielleicht noch etwas unterbeleuchtet.
00:20:07: Wo würden Sie gern mehr machen?
00:20:10: Also ganz wichtig ist mir der Bereich Impact.
00:20:14: also Wirklich sagen über Investitionen ist es möglich, etwas Gutes zu bewirken und eine Rendite zu erzielen.
00:20:22: Und hier finde ich einen wichtigen Punkt das wir uns ehrlich machen.
00:20:25: also hier wird viel zusammengeworfen wenn wir allgemein über Geldanlagen reden.
00:20:30: Ich finde müssen wir anfangen klar zu differenzieren.
00:20:33: was bedeutet die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken?
00:20:36: Also ich investiere nicht in Öl und Gas weil einfach keine gute Idee ist wenn ich glaube dass wir Das hat dann nichts mit der Rettung der Welt zu tun, das ist völlig in Ordnung.
00:20:46: Und es hat mit der Sicherheit meines Portfolis zu tun oder eben diesen Thema Impact.
00:20:52: ich erwarte wirklich wenn ich Geld investiere dass irgendwie CO-Zweindeluft verschwindet und diese Separierung finde ich total wichtig.
00:21:00: und dann müssen wir uns auch ehrlich unterhalten wie kann das Thema Impact wirklich funktionieren?
00:21:04: Was sind die Kanäle die wir da bespielen können und dann eben uns ehrlich der unangenehmen Frage stellen muss sich dann eventuell ja bei dem Thema finanzielle, performen Kompromiss eingehen.
00:21:17: Das heißt da bleiben Sie bei Ihrer Meinung.
00:21:19: auch wenn die Formbranche weitlich widerspricht.
00:21:22: ist jetzt nicht zwingend alles mit einer Überrentie versehen?
00:21:24: Genau!
00:21:25: Da dürfen sie mich weiter verhauen aber das sehe ich tatsächlich als mein Job.
00:21:29: Ich bin Wissenschaftler und unsere Aufgabe ist es... ...das was wir für die Wahrheit halten laut aus zu sprechen Auch wenn's unangenehm ist.
00:21:37: Sie haben ja auch eine Homepage mit dem Titel Geld rettet die Welt.
00:21:41: Was müsste sich denn verändern, damit es das tut?
00:21:43: Also ich drehe es erst mal um.
00:21:45: Ich sage was ich damit meine ist Die welt retten ohne geld wird nicht funktionieren.
00:21:50: also die rettung der welt wird etwas kosten.
00:21:52: Ja und wir wollen die kapitalmärkte nutzen Um das zu erreichen.
00:21:57: Und was die kapitale merkte hassen des unsicherheit.
00:22:01: und wir leben gerade in einer zeit mit viel viel Unsicherheit.
00:22:04: also wenn wir nach in die usa gucken wenn wir uns die vielen konflikterde angucken drohen die Inflation, das ist das eine.
00:22:11: Aber leider auch ziemlich viel Unsicherheit was Regulatorik betrifft Denn alle hassen Regulatorik.
00:22:16: noch schlimmer ist es wenn sie eingeführt wird wie der abgeschafft wird und wieder eingeführt wird.
00:22:21: Und das ist auch etwas was ich aus meinen Gesprächen mit der Realwirtschaft immer wieder höre dass eigentlich vor allem geschimpft wird über Keine Ahnung, da kommt die Entwaltungsverordnung.
00:22:30: Es ist wahnsinnig anstrengend, war nichts nicht bürokratisch und die Unternehmen investieren sechsstellige Beträge haben das dann getan und plötzlich kommt sie doch nicht.
00:22:39: Da wird mir oft gesagt viel schlimmer als die Bürokratie isst die Tatsache dass man sich auf nichts mehr verlassen kann und am besten fährt wenn man versucht alles auszusitzen.
00:22:47: Und das ist etwas was ich mir wünschen würde, dass wir hier mehr Kontinuität bekommen ein klares Zielbild zum Beispiel Klimaneutralität und die Ansage, wir machen das.
00:22:59: Und ich glaube dann müsste man auch gar nicht so überlegen wie das geht sondern dann machen es die Kapitalmärkte schon selber.
00:23:04: Einfach mal dabei bleiben?
00:23:06: Genau!
00:23:06: Richtig Ich
00:23:07: hoffe dass wir bis zwei tausendfünfzig uns noch ein zweimal sprechen und einmal schauen wie das voranschreitet.
00:23:13: Für heute erstmal ganz herzlichen Dank für den Einblick in Wissenschaft und Praxis.
00:23:18: Das war Christian Klein der Professor für nachhaltige Finanzwirtschaft an der Universität in Kassel.
00:23:24: Vielen dank für den Besuch im Podcast.
00:23:25: Schöner Sie da waren
00:23:26: Vielen Dank hat großen Spaß gemacht.
00:23:28: Mir auch!
00:23:35: Und wir schauen auch dieses Mal, welche Themen die Branche sonst noch bewegen.
00:23:40: dafür ist mein Kollege Franz Kongbui dabei?
00:23:42: Hallo Franz!
00:23:43: Hallo Savina!
00:23:44: Franz lasst uns mal starten mit dem Thema nachhaltiger Finanzanlagen.
00:23:49: da gibt es nämlich neue Daten von Union Investment und die sagen bei institutionellen Investoren kann von einer Abkehr keine Rede sein.
00:23:57: die berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien weiter fest im Investmentprozess auch wenn man ja, wenn man die öffentliche Debatte verfolgt da durchaus einen anderen Eindruck gewinnen kann.
00:24:08: Wie stark ist den ISG noch verankert bei den Institutionellen?
00:24:12: Ja
00:24:13: nach den Angaben von Unioninvestment und dieser Studie berücksichtigen inzwischen um achtzig Prozent der institutionellen Anleger ESG Kriterien im Investment Prozess.
00:24:23: Vor zehn Jahren waren es noch dreiundsechzig Prozent, also gute Quote.
00:24:28: Das spricht eher für eine stärkere Verankerung als für einen Rückzug aus nachhaltigen Anlagen.
00:24:34: Und kann man sagen welche Faktoren da vielleicht auch ein bisschen Rückenbind geben?
00:24:38: Aus Sicht der Vorgesellschaft sprechen langfristige Trends dafür.
00:24:42: dazu gehören Elektrifizierung Energieunabhängigkeit und der Ausbau erneuerbarer Energien.
00:24:49: Gerade geopolitische Krisen können nachhaltige Infrastruktur attraktiver machen, weil Staaten und Unternehmen unabhängiger von fossilen Energiequellen werden wollen.
00:24:58: Wenn wir über langfristige Trends sprechen dann kommen wir an künstliche Intelligenz nicht vorbei.
00:25:04: wie wirkt sich das denn aus?
00:25:05: Ja gut bekanntlich erhöht KI den Strombedarf erheblich zusätzlich.
00:25:10: Rechenzentren brauchen sehr viel Energie und dieser Strom muss bereitgestellt werden.
00:25:14: Länder ohne große fossile Energiereserven haben deshalb ein starkes Interesse daran, erneuerbare Energien auszubauen.
00:25:22: Unioninvestment verweist hier auf China aber auch auf Texas wo Solound Windenergie stark wachsen.
00:25:28: Jetzt ist ja auch hier die große Debatte.
00:25:30: Wir haben es eben im Interview auch schon gehört Wie steht es um die Rendite nachhaltiger Anlagen?
00:25:36: Was sagt denn Union Investment?
00:25:38: Naja Union im West-Mensüt?
00:25:40: keine großen Unterschiede zwischen nachhaltigen und konventionellen Portfolios.
00:25:44: Die Modellrechnungen zeigen, dass die Ergebnisse des Jahrhunderts, dem bisherigen Jahresverlauf jeweils nur rund ein Prozent auseinander lagen mal zu Gunsten, mal zu Lasten des nachhaltigem Portfoliums.
00:25:57: Die Kernbotschaft lautet also Nachhaltigkeit bleibt für Kapitalmärkte relevant – nur die Begründung wird breiter!
00:26:12: Wir kommen noch zu einem anderen Thema, und zwar den neuen ESG-Vorgaben für Banken.
00:26:18: Da gibt es jetzt eine Warnung die kommt von sechs Kirchen und Nachhaltigkeitsbanken und sie fürchten dass diese Regeln unbeabsichtigt gefolgen haben könnten und zwar insbesondere für Kliniken, Pflegeheime, Kitas und soziale Dienste.
00:26:32: was ist denn ihre Sorge?
00:26:34: Herr Hintergrund ist eine Änderung im Kreditwesengesetz.
00:26:38: Seit dem ersten April dieses Jahres müssen Banken ESG-Risiken stärker in Strategie, Risikomanagement und Kontrollsysteme einbinden.
00:26:46: Außerdem müssen sie die ökologischen Auswirkungen ihres Kreditportfolios offenlegen – und die Banken befürchten, dass sozialer Einrichtungen dadurch bei Krediten stärker unter Druck geraten.
00:26:57: Und warum trifft das jetzt gerade den Sozialsektor?
00:27:00: Viele dieser Einrichtungen sind energieintensiv.
00:27:03: Krankenhäuser, Pflegeheime oder auch soziale Dienste laufen oft rund um die Uhr.
00:27:08: dazu kommen hohe Anforderung an Hygiene, Lüftung, Diagnostik und technische Ausstattung.
00:27:13: der Energieverbrauch lässt sich also nicht beliebig senken ohne die Versorgung zu gefährden.
00:27:18: wenn du jetzt sagst die Banken müssen das stärker berücksichtigen dann heißt es ja wahrscheinlich auch man muss erst mal überhaupt einen Überblick haben wie die Lage ist.
00:27:26: Wie steht es denn da um die Datenverfügbarkeit in dem Bereich?
00:27:31: Wie du dir denken kannst, haben viele kleinere Träger ökologische Kennzahlen noch nicht in der Form wie Banken sie künftig brauchen.
00:27:39: Zugleich können sie energetische Investition auch nicht einfach frei entscheiden.
00:27:43: Sanierungen, Photovoltaik oder neue Techniken müssen oft über Kostenträger refinanziert werden und genau dort werden solche Maßnahmen aber nicht immer als Betriebsnotwendig anerkannt.
00:27:54: Und was heißt das dann für die Banken in der Kreditvergabe?
00:27:58: Die Sorge ist, dass energieintensive aber gesellschaftlich unverzichtbare Einrichtungen als höheres Risiko eingestuft werden.
00:28:05: Dann könnten Kredite teurer werden oder schwerer zu bekommen sein.
00:28:08: Im schlimmsten Fall drohen weniger Pflegeplätze, längere Wartezeiten und ein größerer Investitionsstau.
00:28:14: Die Institute fordern deshalb verlässliche Refinanzierung mögliche Sonderregeln für systemrelevante Einrichtungen und eine eigene Förderlinie für den Sozialsektor.
00:28:24: Wichtig ist dabei die Banken stellen die ESG-Ziele nicht grundsätzlichen Frage sie warnen aber vor Fehlanreizen.
00:28:39: Und zum Schluss lasst uns nochmal auf die politische Ebene wechseln, denn lange wurde darüber diskutiert.
00:28:45: Wird es ein neues Gremium geben oder nicht?
00:28:47: Jetzt wissen wir auch – Die Bundesregierung hat einen neuen Praxis bei Ratsustainable Finance eingesetzt!
00:28:54: Der soll Empfehlungen für nachhaltige Finanzierungsfragen erarbeiten ist etwas anders aufgesetzt als das Vorgänger Gremium und soll noch ein bisschen mehr Praxisrelevanz entfalten.
00:29:05: Franz, nehm' uns mal mit!
00:29:06: Wie sieht's denn aus?
00:29:07: Wer und was ist der neue Praxisbeirat Sustainable
00:29:10: Finance?".
00:29:11: Der Praxis-Beirat... Das ist ein Expertengremium der Bundesregierung wie gesagt.
00:29:16: Er soll die Regierung in Fragen nachhaltige Finanzierung beraten und er hat jetzt im Bundesfinanzministerium seine Arbeit aufgenommen.
00:29:24: Ziel sind Praxisnahe Empfehlung, also weniger Grundsatzdebatte mehr konkrete Umsetzung.
00:29:30: Jetzt hatte ich ja die ehemalige Vorsitzende des Vorgängergremiums Silke Stremmelow auch mal hier im Podcast, die damals sagte vielleicht hätte man das Gremium etwas kleiner gestalten müssen.
00:29:40: Damals waren es mehr als dreißig Mitglieder.
00:29:42: wie sieht's denn jetzt aus?
00:29:44: Na gut, ein bisschen kleiner ist es schon geworden.
00:29:46: Insgesamt gehören den Beirats zwanzig Expertinnen und Experten an Und die stammen aus Realwirtschaft, Finanzwirtschaft, Zivilgesellschaft und auch Wissenschaft.
00:29:55: Mit dabei ist auch von dir gerade erwähnte Silke Stremlau.
00:29:59: Sie war ja bereits die Vorsitzende des früheren Sustainable Finance Beirat.
00:30:03: Jetzt leitet sie inzwischen die Denkfabrik Finance for Transition.
00:30:07: Jetzt soll ja der Beirat auch verschiedene Perspektiven zusammenbringen.
00:30:11: Namen sind Nachrichten haben wir alle mal gelernt, wer sitzt denn noch mit drin?
00:30:15: Ja aus der Finanzwirtschaft sind unter anderem Vertreter der Deutschen Bank, der Commerzbank, der DZ-Bank und von Unioninvestment dabei.
00:30:21: Und aus der Realwirtschaft kommen etwa Deutz und Salzgitter hinzu und dadurch soll es nicht nur um Regulierung gehen sondern auch darum was Unternehmen und Finanzierer tatsächlich brauchen.
00:30:33: Jetzt hast du schon gesagt ihr Beirats soll Praxistaugliche Vorschläge erarbeiten, etwa wie man die Sustainable Finance Regulierung vielleicht etwas vereinfachen kann.
00:30:41: Und es soll ja auch letztlich darum gehen dass man auch mehr privates Kapital für nachhaltige Transformation mobilisiert bekommt?
00:30:49: Was sind denn da die Pläne?
00:30:52: Herr Bundesfinanzminister Klingbeil sieht Sustainable Finance als Hebel für Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit.
00:31:00: Weil Deutschland braucht ja in den kommenden Jahren sehr hohe Investitionen.
00:31:04: Allerdings soll das alles mit Regeln versehen sein die nicht unnötig bürokratisch sind.
00:31:09: Die Kernfrage ist also wie Nachhaltigkeit finanziert wird ohne Investition durch zu komplexe Vorgaben auszubremsen.
00:31:16: Ein schwieriger Balance sagt.
00:31:18: wir schauen mal wie das gelingt.
00:31:20: Vielen Dank dir erst mal für den Überblick.
00:31:22: Das war die Stimme von Franz Kongbui, schön dass du da warst!
00:31:25: Sehr gerne!
00:31:26: Das war nachhaltiges Investieren für diese Woche.
00:31:28: ich hoffe sie kommen gut durch den Sommer und durch die Hitze.
00:31:32: wir hören uns.
00:31:33: wenn Sie mögen am neunten Juli wieder dann ist Franz mit einem Gesprächspartner hier in dieser Stelle für Sie da.
00:31:40: bis dahin machen Sie es gut.
00:31:41: wir freuen uns wenn sie wieder dabei sind.
00:31:47: das war Nachhaltiges investieren.
00:31:49: der Sustainable Finance Podcast der Börsen Zeitung.
00:31:53: Diese Episode wurde präsentiert von Union Investment.
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