Der Markt für CO₂-Entnahme erhält regulatorischen Rückenwind

Shownotes

Die Atmosphäre gleicht einer Badewanne ohne Abfluss: Jedes Jahr fließen rund 40 Gigatonnen CO₂ hinein. „Und wir sehen, dass diese Badewanne keinen Ablauf hat", sagt Stefan Schlosser, Geschäftsführer des Deutschen Verbands für negative Emissionen (DVNE), im Podcast „Nachhaltiges Investieren" der Börsen-Zeitung. Genau hier setzt Carbon Dioxide Removal (CDR) an, die aktive Entnahme von CO₂ aus der Luft mit dauerhafter Speicherung.

Noch ist der Markt klein und kaum transparent. Das soll sich bald ändern: Die EU-Kommission will Entnahmen in den Emissionshandel integrieren, Berlin plant eine Langfriststrategie mit gesetzlichen Zielmengen, und der Bundeshaushalt sieht bereits mehr als 500 Mio. Euro für den Marktaufbau vor.

Schlosser hält das wirtschaftliche Potenzial für gewaltig, für Deutschland beziffert er es auf 70 Mrd. Euro Bruttowertschöpfung pro Jahr. Er erklärt, welche Rolle Banken und Versicherer künftig spielen können, und benennt offen die Risiken: Rückfreisetzung von CO₂, Lieferausfälle junger Anbieter, Baurisiken bei Großanlagen und eine Marktnachfrage, die bislang stark von wenigen Abnehmern wie Microsoft und zuletzt Google abhängt..

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Transkript anzeigen

00:00:00:

00:00:17: Ich begrüße Sie herzlich zu einer neuen Episode von Nachhaltiges Investieren, dem Sustainability Podcast der Börsen-Zeitung.

00:00:23: Heute beschäftigen wir uns im Schwerpunkt mit dem Thema Carbon Dioxide Removal CDR oder auch CDR.

00:00:29: Dabei handelt es sich um Verfahren die CO² aktiv aus der Atmosphäre entnehmen und dauerhaft speichern.

00:00:35: Der Markt dafür steckt trotz Milliarden schwere Ankündigungen noch in einer frühen Phase.

00:00:40: Und darüber spreche ich heute mit Stefan Schlosser, Geschäftsführer des DV&E Das ist der deutsche Verband für negative Emissionen.

00:00:47: und negative Emissions sind Ansätze zu Entnahme von Treibhausgasern aus der Atmosphäre also beschreiben Prozesse für die gezielte Entnahme Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen direkt aus der atmosphären durch menschliches eingreifen.

00:00:59: Herr Schlossler leitet den verband seit März Und unter anderem arbeitet er zuvor im Bundeskanzleramt und hat dort die Bundeskünstler Angela Merkel und Olaf Scholz beraten.

00:01:10: Hallo Herr Schlosser!

00:01:11: Hallo Herr Bui, vielen Dank dass ich heute bei Ihnen sein darf.

00:01:14: Lassen Sie uns zu Beginn erstmal klären worum es bei CDR geht?

00:01:18: Wie läuft dieses Verfahren?

00:01:19: wie gibt man davor?

00:01:21: Also CDR steht im Englischen für Carbon Dioxide Removal und es geht darum CO² aktiv aus der Atmosphäre zu entfernen.

00:01:29: dazu gibt's verschiedene Verfahren Angefangen bei klassischen naturbasierten Verfahren, wie beispielsweise Aufforstung und Wiederaufforstung.

00:01:36: Also Verfahren die wir seit Jahrtausenden kennen über Verfahren ,die sich Biomassewachstum zunutze machen und dann am Ende den Kohlenstoff dauerhaft binden wie beispielsweise Pflanzenkohle.

00:01:47: Verfahren wie Enhanced Rock-Rathering wo es darum geht Gesteinsmehl auf Ackerflächen auszubringen und dafür zu sorgen dass das CO² sich am Gestein anhaftet, dass das Gesteinkarbonarisiert bis hin zu rein technischen Verfahren, wie beispielsweise Direct Air Capture wo direkt Technik CO² aus der Luft gefiltert wird.

00:02:05: Die genannten Verfahren sind natürlich nur eine Auswahl.

00:02:08: es gibt noch verschiedene weitere Verfahren aber ich glaube sie zeigt ganz schön die Bandbreite von CDA und die verschiedenen Möglichkeiten.

00:02:15: Okay und wo liegt dann der Unterschied zu dem klassischen CCS also Carbon Capture and Storage?

00:02:21: Ich würde an der Stelle gerne eine Analogie aufmachen, und zwar stellen Sie sich die Atmosphäre als eine Badewanne vor.

00:02:29: Und stellen sie sich den Wassergehalt in der Badewanne als sozusagen ein Indikator für den CO-Zweigehalt oder für den Treibhausgasgehalt.

00:02:39: Was sehen wir aktuell?

00:02:40: Wir sehen, dass der Hahn, der diesen Wassergehalt nach oben steigen lässt stark aufgetreten ist.

00:02:45: Das heißt also es gibt sozusagen viele Stellen an denen eben sehr viel CO² in die Atmosphäre gelangt Größenordnung vierzig Gigatonn pro Jahr und wir sehen das diese Badewanne keinen Ablauf hat keine Möglichkeit hat eben den Wasser Gehalt auch wieder zu regulieren Und das ist genau die Idee von Carben Dyke-Side Removal.

00:03:05: dafür zu sorgen, dass wir den CO²-Gehalt in der Atmosphäre wirklich kontrollieren können.

00:03:10: Und anders als CCS, wo es am Ende drum geht sozusagen direkt an der Punktquelle abzuscheiden wird eben hier das CO² aus der Atmostphäre genommen.

00:03:18: Wichtig dabei ist mit zu betonen, dass Camdike Side Removal zu keinem Zeitpunkt ein Ersatz sein wird auch die Emissionen zu reduzieren.

00:03:26: Das heißt also wir müssen massiv reduzieren.

00:03:28: Wir sehen aber auch das am Ende es natürlich Hard Tour Bait Sektoren gibt und dass es immer Restemissionen geben wird und deswegen wird Camdikes Side Removals zunehmend wichtig.

00:03:36: Okay ich hatte ja eingangs erwähnt, dass der Markt in einer frühen Phase ist Aber er nimmt jetzt schon erkennbar Anfahrt auf.

00:03:43: Deswegen sitzen wir auch hier und sprechen darüber Wie ist der Markt strukturiert und welche Größe hat er momentan, beziehungsweise wie?

00:03:50: welche Größen kann er erreichen?

00:03:52: Zunächst zur Struktur des Marktes.

00:03:54: Wir sehen dass sich die einzelnen Marktebenen zunehmend rauskristallisieren.

00:03:59: das heißt also wir sehen auf der unteren Ebene sozusagen oder auf einer Seite die Projektentwickler bzw Technologie Anbieter die ganz konkret Projekte zu aktiven CO-Zweih entnahme anbieten und vorantreiben.

00:04:16: die Zertifizierungen beispielsweise durchführen, die am Ende Register halten und MAV für den Markt machen.

00:04:24: Beispielsweise der TÜV-Seinspieler, der hier gerade reingeht – es gibt aber auch verschiedene Spieler aus der Branche selbst, die erwachsen sind.

00:04:32: Wir sehen dann zum dritten Intermediäre und Marktplätze, beispielsweise CISA oder Carbon Future über die am ende Portfolios zusammengestellt werden und Credits gehandelt werden Und wir sehen dann natürlich auch die Kapitalsseite, also VCs und andere Kapitalgeber in dem Markt.

00:04:47: Zur Marktgröße um Ihnen ein Gefühl zu geben der gesamte Kohlenstoffmarkt, der gesamten freiwillige Kohlenstoffmarkt liegt global bei etwa einer Milliarde Euro pro Jahr und die Erlöse aus dem EU-ETS hingegen liegen bei ungefähr forty-fünf Milliarden Euro pro Jahr.

00:05:06: Das heißt, also wir sehen hier einen Faktor von grob viertundvierzig zwischen diesen beiden Märkten und das zeigt eben schon dass der freiwillige Kohlenstoffmarkt insgesamt noch relativ klein ist.

00:05:16: Okay ich habe da ja bei der Recherche bin ich auf unterschiedliche Größen gestoßen.

00:05:20: Da wird für den Markt im jahr zwei tausend vierzehn oder fünf zwanzig auch mit Werten zwischen sechs und fünfzig Millionen mehr als neun Milliarden Dollar handiert.

00:05:30: Dann gab es Pugnosen für die Jahre, die liegen zwischen US Dollar und US Dollar.

00:05:36: Wie kommt es zu dieser Sprechung bei den Schätzungen?

00:05:39: Ja das liegt vor allem daran dass es wenig gesicherte Zahlen darüber gibt Wer gerade was mit wem handelt?

00:05:47: Es gibt verschiedene Plattformen.

00:05:49: Ein Beispiel hierfür ist CDA.FYI, die schon einen relativ guten Überblick über die Handelsvolumina hat aber es gibt am Ende aktuell keine zentrale Stelle die sozusagen dieses Wissen bündelt und aufbereitet.

00:06:02: das wird sich in den nächsten Jahren ändern beispielsweise dadurch dass die europäische Kommission ein Register einführen wird auf dem dann alle Transaktionen auch entsprechend zu sehen sein werden.

00:06:13: Okay, dann lassen wir uns über die Risiken sprechen, die damit verbunden sind.

00:06:16: Beziehungsweise welche rendite Risikostruktur bietet CDR heute?

00:06:21: Also auch gerade im Vergleich zu anderen Impact-Anlageklassen.

00:06:24: Also CDA beinhaltet natürlich wie wahrscheinlich in jedem jungen Markt verschiedene Risiken, die mehr oder minder gut mitigiert werden können.

00:06:34: Nennen möchte ich hier zum Beispiel das Reversal-Risiko.

00:06:37: Das heißt also es besteht jedenfalls bei manchen Verfahren natürlich die Möglichkeit, dass auch Kohlenstoff wieder zurückgelangt in die Atmosphäre.

00:06:45: Das kann man mittlerweile sehr gut messen.

00:06:48: Man hat dafür sehr gute Anhaltspunkte aber trotzdem ist das ein Risiko, das natürlich jemand tragen muss und abfangen muss.

00:06:55: Ein zweites Risiko was ich nennen möchte ist das Risiko der Nichtlieferung.

00:07:01: Wenn ein Startup einen Scale-Up verspricht, das es eine gewisse Menge an CO² Entnahme vornimmt.

00:07:07: Dann kann niemand sagen ob es dieses Start up oder Scale Up auch in drei, vier, fünf, sechs Jahren noch gibt.

00:07:13: Auch hier gibt es mit zunehmender Marktgröße und mit zuehmender Marktreife natürlich eine gute Datenbasis.

00:07:19: aber trotzdem ist auch das ein Risiko was entsprechend getragen und genommen werden muss.

00:07:24: Das sind zwei Beispiele neben ganz klassischen beispielsweise Baurisiken für große Direct Air Capture Anlagen oder auch Becksanlagen.

00:07:32: Okay, und Greenwashing spielt das da eine Rolle?

00:07:35: Ich meine man kann sich ja sozusagen gerne als Label aufdecken dass man Carbon Removal betreibt aber wie stellt man fest, dass es wirklich so ist?

00:07:44: Also die Branche hat ein sehr großes Interesse daran, dass eben kein Greenwashin gibt weil am Ende alle beispielsweise auch noch den Vera-Skandal von zwanzig dreiundzwanzig vor Augen haben und eben wissen zu was es am ende führen kann wenn dort Schindluder betrieben wird.

00:07:59: Ich sehe zudem, dass der Markt schon zunehmend reifer wird.

00:08:03: Das heißt also wir sehen Zertifizierer, wir sehen besser genormte klar gefasste Standards und das alles ist natürlich wichtig auf dem Weg dahin Queenwashing dann auch besser ausschließen zu können.

00:08:15: ich glaube ganz ausschliessen kann man das nicht wie bei so vielen Risiken völlig mitigieren wird man sie nicht können.

00:08:22: aber trotzdem sehen wir eben schon dass der markt zunehmt sich auch so entwickelt dass diese risiken minimiert werden.

00:08:27: Und sie hatten ja eben gerade gesprochen auch über junge Unternehmen, die jetzt im Markt einsteigen und den Markt prägen.

00:08:34: Es gibt allerdings da auch schon große Player, die in dem Markt zugange sind – einer davon ist Microsoft!

00:08:40: Da gab es eine Entwicklung in den letzten Monaten, die sagen wir mal von außen betrachtet für mich wie ein Risiko wirkte, könnten Sie kurz darauf eingehen welche Rolle Microsoft in dem Mark spielt?

00:08:51: Ich glaube das war der April was da für eine Entwicklung seinen Lauf genommen hat.

00:08:57: Microsoft ist ein sehr wichtiger Spieler in dem Markt, weil Microsoft sehr früh begonnen hat relativ hohe Mengen an CDA zu kaufen.

00:09:05: Das heißt also Microsoft ist schon seit einigen Jahren in diesem Markt aktiv und hat entsprechend hohe Abnahmeverpflichtungen über die Jahre aufgebaut.

00:09:14: Und Microsoft hat im Frühjahr diesen Jahres bekannt gegeben dass sie sozusagen zunächst mal eine Pause machen mit dem Eingehen neuer Verpflichtung.

00:09:23: Das heißt nicht und das hat Microsoft auch sehr stark betont, dass sie sich aus diesem Markt in irgendeiner Form zurückziehen wollen oder dass sie nicht weiterhin committed sind zu CDA.

00:09:32: Es bedeutet einfach nur, dass Sie ein Stück weit auf die Bremse treten und kurz innehalten und eben schauen wie sich die aktuellen Käufe entwickeln bevor sie dann weitere Käufer eingehen.

00:09:41: Man muss dazu sagen, dass Microsoft mittlerweile schon wieder neu kauft.

00:09:45: ist es ganz klar zu sehen, dass sie sich nicht aus diesem Markt verabschieden sondern das ja einfach nur hier ein Stück weit auf die Bremse getreten haben.

00:09:51: Aber ist das nicht ein Zeichen für ein gewisses Konzentrationsrisiko wenn so ein großer Player so eine Entscheidung fällt und da ein Signal setzt auch wenn das vorübergehend ist?

00:10:02: oder ist das einfach nur Zeichen, dass sich der Markt in einer Reife entwickelt?

00:10:06: Sowohl als auch würde ich sagen also natürlich ist es interessant zu sehen ,dass Microsoft eine gewisse Marktmacht, eine relativ große Marktmarkt im CarMove-Markt hat Und natürlich schauen dann alle genau hin, was dieser Spieler macht.

00:10:19: Das ist denke ich ein ganz typisches Zeichen für Märkte die noch am Reifen sind das es eben Spieler gibt die sehr früh reingehen und dann eben auch einen großen Teil vom Kuchen haben.

00:10:30: auf der anderen Seite sehen wir aber dass sich der Markt auch nach dieser Ankündigung von Microsoft gut entwickelt.

00:10:35: Und ich habe es ja schon gesagt, Microsoft hat auch ganz klar in dem Handeln der letzten Wochen und Monate zu verstehen gegeben dass sie diesem Markt treu bleiben werden ums so zu formulieren.

00:10:46: Wir sehen beispielsweise das Mitte September auch Google einen neuen großen Abnahmevertrag unterschrieben hat im Bereich Enhanced Rock Rithering.

00:10:54: Das heißt also alles in allem entwickelt sich der Markt gut weiter.

00:10:58: Dann lassen Sie uns... Sie hatten ja schon erwähnt, dass europäische Emissionshandelssysteme darauf eingehen.

00:11:04: Was verbirgt sich dahinter?

00:11:06: Das europäische Emissionshandelssystem ist ja das größte Emissionshandelssystem weltweit.

00:11:12: Und in diesem Kontext wichtig, dass wir aktuell sehen, dass Removals ins Emissions-Handelsystem integriert werden sollen.

00:11:21: Grundlage ist ein Vorschlag der EU-Kommission im Rahmen der ETS-Revision im Sommer diesen Jahres, der eben die Integration von Removals vorsieht.

00:11:30: Der Berichterstatter im EU-Parlament hat diesem Vorschlag nicht nur sozusagen zugestimmt, sondern hat ihn sogar noch verschärft erweitert was das Thema Integration von Removals anbelangt.

00:11:42: Das heißt also hier sind wir auf einem sehr guten Weg und wir sehen dass die EU Kommission zudem auch die Grundlage legt um diese Integration dann wirklich durchführen zu können beispielsweise mit dem Carm Removal Certification Framework dass am Ende die Grundlage bildet, um wirklich dann CDA auch messbar zu machen und standardisiert handelbar zu haben.

00:12:01: Okay das ist ja dann die EU-Ebene.

00:12:03: wie wirkt sich das auf die Bundesebene aus?

00:12:05: Auf Bundesebenen sehen wir ebenfalls Bewegung.

00:12:08: Wir sehen zum einen, dass das Kabinett hoffentlich sehr bald eine Langfriststrategie für negative Emissionen beschließen wird.

00:12:16: Und diese Langfrist Strategie ist nicht wie vielleicht manch andere Strategien ein Papier nebulös beschreibt, wie es mal werden soll.

00:12:25: Sondern die Langfrist-Strategie hat die Aufgabe eine Lücke im Klimaschutzgesetz zu füllen und ganz konkret zu sagen, wie viele Removals am Ende zur Verfügung gestellt werden und erbracht werden sollen.

00:12:37: Das heißt also sie wird konkrete Zielzahlen enthalten, die dann auch Gesetzesrang erlangen.

00:12:44: Und wir sehen auch Bewegung, was das Thema Finanzierung auf Bundesebene anbelangt.

00:12:48: Also wir sehen dass im Bundeshaushalt inzwischen über fünfhundert Millionen Euro über die nächsten Jahre für Carm Removal hinterlegt sind und wir sehen, dass die Bundesregierung dieses Geld beispielsweise in Form eines Ankaufprogramms für Zertifikate dem Markt zur Verfügung stellen will.

00:13:02: Angesichts dessen ist der Marktziger wie sie gerade beschreiben so entwickelt.

00:13:07: welche Rolle können Deutsche Banken Versicherer und institutionelle Anleger in diesem Markt dann spielen.

00:13:13: Also welche Möglichkeiten bieten sich nun?

00:13:16: Wir sehen großes Interesse von verschiedensten Banken, sowohl Landesbanken als auch beispielsweise die KfW- und private Banken.

00:13:26: Und Banken können sich natürlich ganz verschieden in diesen Markt betätigen.

00:13:29: Sie können ganz klassisch Projekte finanzieren, sie können aber zum Beispiel am Ende als Schnittstelle zur etablierten Wirtschaft zu Unternehmen dienen die ja zunehmend auch ZFICATE kaufen werden, um ihre Netto-Nullziele zu erfüllen.

00:13:45: Das heißt also hier entsteht auch potenzielles Handelsvolumen für Banken.

00:13:50: Wenn ich noch kurz auf den Bereich der Versicherer eingehen darf Auch hier sehen wir zunehendes Interesse.

00:13:55: beispielsweise Die AXA ist ein Unternehmen das gerade Mitglied bei uns geworden ist gibt aber auch viele andere Beispiele Und die Versicherer wollen eben genau die Risiken, die ich schon erwähnt habe dann perspektivisch auch versichern.

00:14:07: Das heißt also Reversalrisiken beispielsweise, Risiken von Nichtlieferungen oder ganz klassische Risiken bei dem Bau von Anlagen beispielsweise entstehen.

00:14:17: Wie schätzen Sie aus Verbandslicht das Risiko ein?

00:14:19: Dass Deutschland trotz der ganzen Ankündigung über die wir jetzt gerade gesprochen haben mag dann Teil an andere Standorte verliert?

00:14:25: was wird denn in den nächsten Monaten so entscheidend sein ob Kapital nach Deutschland und auch Europa fließt oder in andere Märkte abwandert.

00:14:33: Also zunächst möchte ich an der Stelle sagen, dass Deutschland über hervorragende Startbedingungen verfügt um in diesem Markt auch langfristig erfolgreich zu sein.

00:14:42: Wir verfügen über weltweit angesehene Spitzenforschung sowohl was die Klimaforschung allgemein anbelangt als auch das Thema CDA eben ganz konkret anbelankt.

00:14:52: wir verfügen ein wahnsinniges starkes Startup-Ökosystem das klar eines der stärksten der Welt ist Und wir verfügen über den Maschinen- und Anlagenbau, den es braucht um am Ende zumindest die technischen Verfahren dann auch entsprechend zu skalieren.

00:15:07: Das heißt also wir sehen wirklich ganz hervorragende Rahmenbedingungen.

00:15:11: Jetzt geht's natürlich drum in Deutschland nicht den Fehler zu machen, den wir vielleicht bei anderen Technologien gemacht haben dass wir am Ende sozusagen am Anfang gut unterwegs sind aber eben dann die Skalierung nicht schaffen.

00:15:21: Was braucht es zur Skalierung?

00:15:22: Es braucht eben jetzt Wachstumskapital.

00:15:25: Wir sehen, dass die Technologien soweit ausgereift sind und dass es jetzt wirklich darum geht größer skalige Anlagen zu bauen.

00:15:31: Hierfür braucht es Spieler der öffentlichen Hand, die bereit sind Risiken zu nehmen, die auch bereit sind weiter Anschubfinanzierung zu geben.

00:15:39: Ich habe schon gesagt das dafür Gelder beispielsweise im Bundeshaushalt vorgesehen sind.

00:15:44: Es werden auch verschiedene Gelder auf EU-Ebene bereitgestellt Und dann müssen wir eben jetzt natürlich dafür sorgen, dass auch private Investoren zunehmend in diesen Markt reinkommen.

00:15:53: Okay die Rahmenbedingungen klingen ja wirklich sehr gut.

00:15:55: allerdings ist es ja so das bei der Finanzierung, Kapitalisierung da sagen wir mal die Start-ups und den Markteilnehmer schon konkurrieren mit anderen Technologien, anderen Technologiebereichen und anderen Unternehmen Start-Ups.

00:16:10: Warum sollten Investoren oder auch die öffentliche Hand gerade jetzt CDR so in Fokus nehmen?

00:16:17: Wichtig ist an der Stelle aus meiner Sicht zu verstehen, dass CDR definitiv keine Eintagsfliege ist.

00:16:21: Sondern der Weltklimarat sagt wir brauchen bis zu zehn Gigatonn pro Jahr, es ist zwanzig fünfzig und das sind gewaltige Mengen.

00:16:31: also wir reden über einen aktuellen Trepphausgasausstoß beziehungsweise CO-Ausstoß von ungefähr vierzig Gigatonnen pro Jahr.

00:16:37: da kann man sich vorstellen wie viel zehn gigatonne sind.

00:16:40: Das heißt hier ist schon davon auszugehen, dass dieser Markt signifikant wachsen wird Und wir sehen am Ende für vor allem deutsche Start-ups, für deutsche Spieler auch ein gutes Potenzial global.

00:16:54: Wir haben versucht das im Jahr zwanzig vierundzwanzig zu berechnen zusammen mit der Unternehmensberatung BCG und BCG kommt auf einen Gesamtmarktpotential global von einer Billion Euro pro Jahr Proto Wertschöpfung Auf Deutschland.

00:17:10: runtergebrochen kommt BCG auf ein Marktpotenzial von siebzig Milliarden Euro Proto-Wertschöpfung pro Jahr.

00:17:16: Das entspricht zwei Prozent unseres BIP, das heißt also das Potential ist gewaltig.

00:17:20: und selbst wenn man jetzt sagt davon kommt nur die Hälfte oder nur ein Viertel auch dann wird es immer noch ein sehr großer Markt sein der durchaus wirtschaftlich lukrativ ist.

00:17:28: Okay dann halten wir fest dass handelt sich hier um bei Carbon Dioxide Removal CDR um einen jungen Markt mit enormen Potenzial aus ihrer Sicht.

00:17:38: Da sind jetzt gerade einige Weichenstellungen vorgenommen worden und es gibt immer noch einiges zu tun, das sollten wir alle im Blick behalten!

00:17:45: Ich bin sehr gespannt wie sich das weiterentwickeln wird.

00:17:47: Herr Schlosser vielen vielen Dank für diesen Überblick und für die Information zu diesem neuen Markt.

00:17:52: Vielen dank Herr Bui.

00:18:01: Kommen wir zu den Kurznachrichten und dazu begrüße ich meine Kollegin Sabine Reifenberger.

00:18:05: Hallo Sabine Lass uns mit dem Thema beginnen, mit dem sich diese Episode bislang schon intensiv beschäftigt hat – nämlich Carbon Capture.

00:18:15: Jetzt jedoch ein Blick in die USA!

00:18:17: Dort fließen Milliarden in die Abscheidung und Speicherung von CO² doch gleichzeitig wächst der Widerstand von Anwohnern, Umweltorganisationen und Investoren.

00:18:26: Besonders deutlich zeigt sich das am Golf von Mexiko.

00:18:28: dort hat ExxonMobil einen Projekt aufgesetzt.

00:18:30: was wird denn da konkret gemacht?

00:18:33: Also ExxonMobil will an der US-Golfgüste ein fast eineinthausend fünfhundert Kilometer langes Pipeline-Netz aufbauen.

00:18:40: Darüber soll dann CO² aus Industrieanlagen gesammelt und anschließend eben in unterirdische Gesteinsformation gepresst werden, und allein dafür sind jetzt Investitionen von mehr als fünf Milliarden Dollar

00:18:51: vorgesehen.".

00:18:53: Und warum gibt es so viel Kritik an dieser Technologie?

00:18:58: Also Umweltorganisationen bezweifeln eben, dass Carbon Capture einen ausreichend großen Beitrag zum Klimaschutz leistet.

00:19:05: Sie kritisieren unter anderem das nur ein Teil der Emissionen eingefangen wird und das abgeschiedene CO² teilweise wieder zur Förderung von zusätzlichen Ölreserven genutzt werden kann – damit würde eben an anderer Stelle wieder neues CO²

00:19:18: freigesetzt.".

00:19:20: Na gut aber warum investieren die Unternehmen trotzdem weiter?

00:19:23: Also, man muss sagen zum einen gibt es in den USA wirklich attraktive Steuergutschriften für Carbon Capture Projekte.

00:19:29: Das mag durchaus ein Anreiz sein und zum anderen wächst nach Einschätzung von Marktbeobachtern auch die Nachfrage aus der Wirtschaft selbst.

00:19:37: als neue wichtige Abnehmer gelten zB große Technologieunternehmen, die einen hohen Energiebedarf haben und die eben auch ihren eigenen Emissionszielen gerecht werden müssen.

00:19:48: Und wie groß ist dieser Markt jetzt global betrachtet?

00:19:51: Also die weltweiten Investitionen in Caravan Capture haben zuletzt deutlich zugelegt.

00:19:56: Im vergangenen Jahr lagen sie bei US dollar im Jahr zuvor waren es US dollar, also schon ein ziemlicher Anstieg.

00:20:05: Zugleich hat die Zahl der kommerziell betriebenen Anlagen auch zugenommen und die Branche rechnet mit weiteren Wachstum.

00:20:12: Sie muss dafür allerdings auch einige Widerstände in der Politik und auch in der Gesellschaft noch überwinden.

00:20:26: Und bevor das aber eine monothematische Episode wird, wenden wir uns der Windenergie zu und zwar in Deutschland.

00:20:33: Der Bundesverband WindEnergie warnt davor, dass geplante Änderungen bei EEG, Netzanschluss- und Netzentgelten die Finanzierung neuer Projekte deutlich erschweren könnten.

00:20:43: Wovor waren denn der Verband genau?

00:20:46: Also der Verband befürchtet ganz konkret, dass die Planungs- und Finanzierungssicherheit für Windprojekte gefährdet sein könnte und zurückgeht.

00:20:54: Wenn Banken und Investoren zusätzliche Risiken nehmen müssen dann werden sie natürlich einpreisen und dadurch steigen da natürlich die Finanzierungskosten insgesamt und das heißt im Endeffekt Windparks würden insgesamt teurer.

00:21:08: Gibt es denn aus Sicht der Finanzierer besonders problematische Punkte?

00:21:12: Also Sie sehen es kritisch, dass vor allem mögliche rückwirkende Eingriffe in Projekte kommen könnten.

00:21:19: In Projekten die schon genehmigt oder auch finanziert worden sind und solche Änderungen erhöhen natürlich aus Sicht der Branche die Unsicherheit ganz enorm weil eben die bestehenden Kalkulationen dann nachträglich infrage stehen können.

00:21:33: Und was fordert der Windenergieverband jetzt?

00:21:36: Der fordert längere Übergangsristen, einen verlässlichen Vertrauenschutz und eine kalkulierbare Kostenobergrenze.

00:21:43: Und das Ziel ist es dann die Risiken eben für Investoren und Banker besser planbar zu

00:21:48: machen.

00:21:49: Ja was könnte denn passieren wenn die Risken tatsächlich steigen?

00:21:53: Wie gesagt der Verband vermutet unterm Strich ist wir teurer Projekte könnten vielleicht kleiner ausfallen oder auch später umgesetzt werden und im extremen Fall ist die Befürchtung, dann könnten Vorhaben vielleicht auch ganz wieder aufgegeben werden.

00:22:07: Der BWE warnt deshalb davor dass der Ausbau der Windenergie in Deutschland dann ins Stocken geraten könnte.

00:22:21: Dann kommen wir zur Soleilindustrie in China.

00:22:24: Auf der einen Seite erreicht er der Ausbaudort neue Rekorde Die installierte Solarleistung hat erstmals die Kapazität der Kohlekraftwerke übertroffen Aber auf der anderen Seite leidet die Industrie unter massiven Überkapazitäten und fallenden Preisen.

00:22:38: Wie groß ist denn der Solarboom in China inzwischen?

00:22:41: Ja, das ist tatsächlich ein ganz stattliches Ausmaß.

00:22:44: China hat inzwischen mehr als einen tausend zweihundertachzig Gigawatt installierter Photovoltaikleistung und damit liegt die Solarkapazität zum ersten Mal über der Kapazität der Kohlekraftwerke.

00:22:56: Das zeigt auch wie schnell das Land jetzt den Ausbau von erneuerbaren Energien vorangetrieben hat.

00:23:02: Es klingt ja erst mal ganz gut aber warum steckt die Branche nun trotzdem in einer Krise?

00:23:07: Das liegt daran, dass die Produktionskapazitäten noch schneller gewachsen sind als die Nachfrage.

00:23:13: China könnte inzwischen fast doppelt so viele Solarmodule produzieren wie weltweit in einem Jahr überhaupt nachgefragt werden und das führt natürlich dann zu einem massiven Überangebot und damit zum Preisverfall.

00:23:25: Und dieser Preisverfalt?

00:23:27: Wie zeigt er sich denn?

00:23:29: Also wenn wir die Modulpreise nehmen, die sind jetzt seit Anfang zwanzig dreiundzwanzig um fast fünfzig Prozent gefallen.

00:23:35: Zeitweise lagen sie bei weniger als zehn Cent pro Watt.

00:23:39: für die Hersteller ist das natürlich problematisch weil es letztlich dazu führt dass Sie Ihre Produkte mit unter den Herstellungskosten verkaufen müssen.

00:23:48: und betrifft die Krise nur die Modulehersteller

00:23:51: Nicht nur?

00:23:52: auch die vorgelagerte Lieferkette ist betroffen und das wird besonders deutlich bei Polysilizium.

00:23:58: Das ist ein Ausgangsmaterial für die Solarwaiver.

00:24:02: der Preis dafür, der lag zwei tausend zwanzig noch bei vierzig Dollar je Kilogramm.

00:24:08: Zweitausendzwanzig waren es sieben Dollar.

00:24:11: Für viele kleinere Produzenten liegt das bereits unter den Produktionskosten.

00:24:15: Na gut aber können die Hersteller über Kapazitäten nicht einfach exportieren?

00:24:20: Das wird tatsächlich zunehmend schwieriger.

00:24:22: Die USA schützen den Markt ja mit Zölln und auch durch Subvention für die heimische Produktion, Europa wiederum will auch die Abhängigkeit von chinesischer Solartechnik reduzieren und hier setzt man stärker auf lokale Produktionen- und

00:24:37: Nachhaltigkeitskriterien.".

00:24:46: Zum Schluss schauen wir auf die Europäische Investitionsbank.

00:24:49: nach rund vierzig Jahren finanziert sie erstmals wieder ein Kernenergieprojekt.

00:24:54: Im Mittelpunkt stehen hierbei kleine Modularreaktoren, sogenannte SMR.

00:24:59: Was genau finanziert die IPL?

00:25:01: Ja, die Europäische Investitionsbank investiert insgesamt vierzig Millionen Euro und zwar in das finnische Start-up Steady Energy.

00:25:09: Das entwickelt diese kleinen modularen Reaktoren für Ferndenwärmenetze und konkrete geht es um einen Leichtwasserreaktor von fünfzig Megawatt.

00:25:19: Diese Hinwendung zur Kernenergie, das ist ja schon eine bemerkenswerte Entwicklung?

00:25:24: Ja zumal wenn man bedenkt dass die AIB seit nineteenhundertsiehn und achtzig kein neues Kernkraftwerksprojekt zur Stromerzeugung finanziert hatte.

00:25:34: Das neue Engagement ist tatsächlich jetzt ein Wendepunkt und eine Veränderung in der bisherigen Haltung Und zugleich ist es auch das erste Investment der Bank in diese SMR-Technologie.

00:25:46: Und warum ist es so, dass Kernenergie jetzt wieder stärker in den Fokus rückt?

00:25:50: Also die AIB verweist auf den Bedarf an stabiler, kohlenstoffarmer Energie und sie sagt kleine modulare Reaktoren könnten eben erneuerbare Energien ergänzen.

00:26:01: Sie könnten dazu beitragen, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und letztlich auch die Widerstandsfähigkeit des europäischen Energiesystems insgesamt steigern.

00:26:13: Und bedeutet das eine komplette Kehrtwende der Bank?

00:26:16: Es

00:26:16: ist zumindest mal ein Signal, dass man sich für diese Technologien auch öffnet.

00:26:21: In den vergangenen Jahren hatte die ALP bereits Projekte entlang der Nuklearn-Lieferkette unterstützt – auch im Bereich in Sorgung von Atomöl.

00:26:30: Bei neuen Kraftexprojekten hatte man sich bislang zurückgehalten und dieses Investment in steady energy ist jetzt eben ein weiterer Schritt.

00:26:46: Und dann noch ein kurzer Blick auf die Termine.

00:26:48: Heute und auch noch morgen findet der Sustainable Finance Gipfel an der Frankfurt School of Finance & Management statt.

00:26:54: Am thirteenth und vierzehnten Oktober gibt es dann in Brüssel den European Sustainable Industry Summit, und eine Woche später zwischen dem zwanzigsten und dem zweinzwanzig Oktober geht es wieder um Carbon Dioxide Removal – und zwar auf der Carbon Capture Technology World Expo in Hamburg.

00:27:10: Und weiter hinten am Horizont, nämlich am fünfundzwanzigsten und sechsenzwanziger November geht das Impact Festival in Frankfurt über die Bühne.

00:27:17: Und damit verabschiede ich mich für heute von Ihnen.

00:27:19: In zwei Wochen erwartet sie dann die nächste Episode von Nachhaltiges Investieren.

00:27:23: bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute und eine nachhaltige schöne Zeit!

00:27:31: Das war Nachhaltiges Investieren der Sustainable Finance Podcast der Börsenzeitung.

00:27:36: Diese Episode wurde präsentiert von Union Investment.

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